Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn

Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein

Liebe Gemeinde, wenn Sie sich ihren Schlüsselbund anschauen, finden Sie bestimmt daran so einige wichtige Schlüssel. Wahrscheinlich den für Ihre Haustür, den Autoschlüssel, auch vielleicht einen für die Arbeit und vielleicht noch viele weitere. Ich habe, als ich diese Pfarrstelle übernommen habe, so viele Schlüssel bekommen, dass ich von den meisten noch gar nicht weiß, wofür sie sind. Ja Schlüssel sind etwas ganz wichtiges in unserem Leben. Sie sind gar nicht wegzudenken. Und von all den Gegenständen, die man so verlieren kann, ist der Verlust des Schlüsselbundes wohl der schlimmste. Vielleicht sogar noch schlimmer als das Handy oder den Geldbeutel. Schlüssel ermöglichen einem den Zugang zu etwas. Wer nicht den passenden hat, kommt nicht rein, oder kann dieses oder jenes nicht öffnen. Wir schützen mit Schlüsseln und den dazugehörigen Schlössern die Dinge, die uns wichtig sind.

Auch in unserem heutigen Predigttext zu Pfingsten spielt ein Schlüssel eine wichtige Rolle. Denn hier wird jemandem ein ganz besonderer Schlüssel überreicht. Jesus selbst ist es, der Petrus diesen Schlüssel gibt, wenn es auch sicherlich kein Schlüssel zum Anfassen, sondern ein Schlüssel im übertragenen Sinne ist. Dennoch ist der Schlüssel und Petrus untrennbar miteinander verbunden. Denn, glauben Sie mir, wenn sie in der Kunst und in Kirchen irgendwo einen Mann mit Schlüsseln abgebildet sehen, können Sie sicher sein, dass Sie Petrus vor sich haben. Und diese Schlüssel haben es in sich. Es ist kein Haustürschlüssel, kein Autoschlüssel und auch keiner zu einer goldenen Schatztruhe. Nein, es sind die Schlüssel zum Himmelreich. Genau deshalb ist auch Petrus in Witzen immer der Mann an der Himmelspforte.

Sie wissen schon, so wie der Witz: Kommt ein Pfarrer nach langen Dienstjahren, schließlich an die Himmelspforte. Steht vor Petrus. Und Petrus sagt: „Oh, Herr Pfarrer. Entschuldigung, Sie müssen noch etwas warten, gedulden Sie sich.“ Kommt kurz darauf ein Taxifahrer dazu. „Ach ja, wie schön dass Sie da sind, kommen Sie doch rein!“ sagt Petrus und lässt den Taxifahrer sofort in den Himmel. Da beschwert sich der Pfarrer: „Mensch 35 Jahre hab ich als Pfarrer Dienst getan und Gottes Wort verkündigt. Und muss warten. Aber der Taxifahrer kommt sofort in den Himmel rein.“ Sagt Petrus: „Ja, aber in deinen 35 Jahren haben die Leute bei dir meistens in der Kirche geschlafen. Aber bei dem Kerl im Taxi haben in einer Woche mehr Leute inbrünstig gebetet als in den ganzen 35 Jahren bei dir in der Kirche.“.

Ja, solche Himmelspforten Witze mit Petrus gibt es viele. Aber es steckt hinter all dem auch ein wichtiger und ernsthafter Gedanke. Wie ist das denn nun mit dem Himmelreich, wie kommt der Mensch hinein? Denn Petrus gilt in unserer Tradition als der Gründer der Kirche, ja ihr Urgestein, wenn man so will, denn Petrus, kommt aus dem Griechischen und bedeutet der Fels. Er ist das feste Fundament. In der katholischen Kirche berufen sich alle Päpste auf ihn, ja erklären sich zu seinen legitimen Nachfolgern. Und genau unser heutiger Predigttext gilt als der entscheidende biblische Beleg für die Rechtmäßigkeit des Papsttums.

Und genau an dieser Stelle wird es interessant. Denn hier sind wir bei der Frage, warum es die Kirche eigentlich gibt, ja welche Funktion sie hat. Heute am Geburtstag der Kirche, zu Pfingsten, ein Thema, über das man durchaus mal nachdenken kann. „Was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein. Und was du auf Erden lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöst sein.“ so heißt es im Predigttext. Was können wir daraus schließen? Dass Petrus bestimmen kann, wer in den Himmel kommt, so wie in unserem Witz? Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, kann man auch gut verstehen, warum die Kirche, und nicht zuletzt bei unseren katholischen Geschwistern auch das Papsttum, sich so explizit auf Petrus beruft. Denn mit diesem Bibelwort ist die Macht über den Zugang zum Himmel verbunden.

Die Kirche als die Institution, die die Macht hat über den Zugang zum Paradies zu bestimmen. Für mich als Kirchenvertreter, vielleicht durchaus ein reizvoller Gedanke. Aber im Ernst. So einfach geht das nicht. Denn schauen wir uns doch noch einmal an, was ein paar Sätze vorher im Text steht. Denn da bekennt sich Petrus: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ Das ist ganz entscheidend! Das dürfen wir nicht übersehen. Denn es ist dieses Bekenntnis, das Jesus dazu bringt, die folgenden Worte zu sagen. Es geht hier um das Bekenntnis, das der Vater im Himmel selbst, Petrus gelehrt hat. Eine Erkenntnis, die von Gott selbst kommt. Das ist ein ganz entscheidender Vorgang. Hier wird Petrus in einen Glauben hineingenommen, der die Grundlage ist für alle Hoffnung und Liebe, die uns als Christen geschenkt ist. Hier geht es gar nicht um Macht, nicht darum, dass Petrus und alle seine Nachfolger, die einen in den Himmel lassen könnten und die anderen ablehnen. So wie ein Türsteher an der Disco. Und so, wie wir es im Witz von vorhin gehört haben.

Es geht nicht darum, dass Petrus oder einer seiner Nachfolger nach Gutdünken jemanden in den Himmel lassen könnte oder eben nicht. Der Schlüssel zum Himmelreich, das ist etwas anderes. Der Schlüssel zum Himmelreich das ist unser christlicher Glaube, der uns immer wieder neu geschenkt wird. Und die Kirche verfügt natürlich über diesen, denn unsere Kirche ist ja genau dafür da diesen Glauben zu verkünden. Immer wieder neu den Menschen von Gottes Liebe zu erzählen und von der Hoffnung, die damit verbunden ist.

Das Himmelreich, das ist die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern wir bei Gott das ewige Leben haben. Aber das Himmelreich ist nicht nur im Jenseits. Auch hier und heute kann es uns schon strahlen. Genau dafür ist uns der Schlüssel zum Himmel gegeben. Dieser Schlüssel, das ist der Glaube, die Liebe, die Hoffnung. Diese sperren uns das Paradies auf. Hier auf Erden im Leben. Und auch darüber hinaus. Es sind im Alltag oft die kleinen Situationen, in denen der Himmel kurz aufscheint.

Wenn ein Mensch zum anderen sagt: „Hey, brauchst du Hilfe? Ich sehe gerade du mühst dich ab?“ da wird der Himmel aufgesperrt. Wenn eine Trauernde, nach dem Tod ihres Mannes nach einiger Zeit zum ersten Mal wieder lächelt und Freude empfinden kann. Da wird der Himmel aufgesperrt. Wenn jemandem Unrecht getan wurde. Und der Schuldige um Vergebung bittet. Und der andere sagt: „Ja, ich vergebe dir. Es ist gut.“ Da wird der Himmel aufgesperrt.

Glaube, Hoffnung, Liebe. Das sind die Kernstücke das Evangeliums von Jesus Christus. Und genau das ist der Schlüssel zum Himmelreich. Im Leben und darüber hinaus. Und mit unserem Glauben an Christus ist uns allen dieser Schlüssel geschenkt. Wir können diesen Schlüssel zwar nicht anfassen, aber wir können spüren, dass er da ist. Dass er unser Leben verändert. Dass er uns das Tor zu Gott aufsperrt.

Heute zu Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche. Und den Heiligen Geist. Und beides ist mit unserem heutigen Predigttext eng verbunden. Denn diese lebensverändernde Kraft, dieser Glaube, diese Liebe, diese Hoffnung, von der ich gesprochen habe. Genau das ist der Heilige Geist. Der Heilige Geist, das ist Gott, wie er in unser Leben einwirkt. Und die Kirche ist dazu da, alle Menschen immer wieder neu einzuladen, diese Kraft zu spüren, sich von dieser Kraft ergreifen zu lassen. Genau dafür verkündet sie die Botschaft von Jesus Christus. Und insofern verfügt die Kirche tatsächlich über den Schlüssel zum Himmelreich. Nicht als Türsteherin, die Menschen annimmt oder ablehnt. Sondern als Gemeinschaft, die zum Glauben einlädt. Und so, liebe Gemeinde, lasst euch einladen. Lasst euch den Schlüssel zum Himmelreich geben und lasst euch das Tor aufsperren.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.