Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Gemeinde, ich habe es heute schon mehrfach gesagt. Der Gründonnerstag ist ein besonderer Tag. Es ist der Tag, an dem für uns Christen das heiligste, aber auch das geheimnisvollste Geschehen beginnt, mit dem unser Glaube verbunden ist. Es ist der letzte Abend, den Jesus gemeinsam mit seine Jüngern verbringen kann. Es ist eigentlich ein schöner Anlass. Man feiert Passa. Ein gebratenes Lamm steht auf dem Tisch und dazu Brot und Wein. Doch dunkle Ereignisse werfen ihren Schatten bereits voraus. Ein Verräter sitzt mit am Tisch. Judas Iskariot. Er wird den Römern und den Dienern des Hohepriesters zeigen, wo sich Jesus aufhält. Wie es weiter geht haben wir schon oft gehört. Jesus zieht sich mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane zurück. Er will dort beten.

Er weiß genau, dass ihn etwas Schreckliches erwartet. Seine Jünger scheinen auch etwas zu ahnen, doch so ganz kommt der Ernst der Lage wohl doch nicht bei ihnen an. Statt mit ihm zu wachen, schlafen sie alle ein. Jesus fühlt sich allein und verlassen. Man bedenkt manchmal nicht so ganz, wie grausam auch diese Nacht vor Jesu Martyrium gewesen sein muss. Er weiß genau, was passieren wird, zumindest dass etwas furchtbares passieren wird. Aber keiner, nicht mal seine engsten Anhänger, stehen ihm bei. Keinen scheint es zu kümmern. Ja einer von seinen Leuten hat ihn sogar verraten.

Aus dieser Perspektive erscheint uns das Geschehen des Gründonnertages doch als recht traurige Angelegenheit. Verständlich, bei all dem Schrecken, der am Karfreitag auf Jesus wartet. Und ja, eine gewisse Schwermut liegt heute Abend auf jeden Fall auch in der Luft. Aber das ist natürlich nicht die ganze Wahrheit. Denn heute am Gründonnerstag wurde das Heilige Abendmahl, das wir natürlich auch im Anschluss feiern werden, begründet. In all der gedrückten Stimmung schwingt also eine fast unglaubliche Botschaft mit. Jesus verspricht seine Anwesenheit. Jesus sagt er ist da, obwohl er eigentlich körperlich nicht da ist. Denn genau das geschieht im Abendmahl. In der Kirchengeschichte wurde im Laufe der Zeit immer wieder darüber gestritten, wie das genau zu verstehen ist. Ein Begriff, der dabei auftaucht ist die „Realpräsenz“. Es geht also um die Frage, ob im Brot und im Wein wirklich der Leib und das Blut Christi steckt. Für Katholiken ist es genau deshalb so wichtig geweihte Hostien im Tabernakel aufzubewahren und den Kelch bei der Eucharistie bis zum letzten Tropfen zu leeren. Leib und Blut Christi dürfen nicht falsch behandelt werden.

Nach unserer lutherischen Vorstellung ist Jesus sehr wohl auch realpräsent. Allerdings weniger in den Hostien und dem Wein, sondern eher im Ganzen Geschehen des gemeinsamen Essens und Trinkens in Christi Namen. Christus ist im Abendmahl bei uns, weil wir gemeinsam feiern. Das Abendmahl ist Gemeinschaft im doppelten Sinne. Es ist Gemeinschaft mit Gott und es ist Gemeinschaft zwischen uns Menschen untereinander. Im Abendmahl wird auch die Gemeinschaft der Kirche sichtbar. Um so mehr ist es schade, dass es noch immer nicht möglich ist ein gemeinsames Abendmahl zwischen Evangelischen und Katholiken zu feiern. Jedenfalls nicht von oberster katholischer Instanz. Interessant ist dabei auch der letzte Satz in unserem Predigttext: Sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also Abendmahl feiert, der verkündet damit auch etwas. Der verkündet den Tod des Herren, bis er kommt. Hier werden wir auch noch einmal an Karfreitag erinnert. Und daran, dass Christus wieder kommt. Das ist die alte christliche Vorstellung, dass am Ende aller Zeiten Jesus wieder leiblich auf die Erde kommt und diese dann in ein großes Himmelreich verwandelt. Wenn ich heute so auf unsere Welt blicke, dann würde ich mir auch wünschen, dass Christus bald wieder kommt. Unsere Erde läuft einer Klimakatastrophe entgegen und die Mächtigen können sich nicht überwinden endlich zu handeln. Terroristen verschiedenster Art treiben ihr Unwesen. Immer wieder erleben wir Ungerechtigkeiten. Auf einer reichen Erde gibt es Kinder, die hungern. Ja, komm Jesus, komm zu uns und sorge endlich für Gerechtigkeit und Frieden. Komm doch, komm doch?

Mit dem Heiligen Abendmahl wurde uns doch versprochen, dass Christus längst da ist. Mit Brot und Wein ist er längst da. Aber sind wir mal ehrlich. Merkt man das auch? Wo ist denn der Christus, der allem Leid und aller Ungerechtigkeit ein Ende setzt? Was bewirkt denn das Abendmahl.

Ich meine sehr viel bewirkt es. Man merkt es nur nicht sofort. Denn wenn Gott in unser Leben und in unsere Welt wirkt, dann tut er das meistens nicht mit großen Aktionen. Nein, meist sind es die Kleinigkeiten, die dann aber eine große Wirkung entfalten. Das Abendmahl ist ein gutes Beispiel dafür. In ihm erleben wir eine Gemeinschaft, eine gleichberechtigte Gemeinschaft. Dort zählt nicht was man hat, jeder bekommt das Gleiche, jeder hat den gleichen Anteil an Gottes Gegenwart. Hier kommt uns Gott ganz nahe. Und wenn wir wirklich Christi Gegenwart spüren, dann tun wir das vor allem auch, weil wir die Gegenwart unserer christlichen Brüder und Schwestern auch spüren. Im Abendmahl ist Jesus bei uns, indem wir in Liebe mit unseren Mitmenschen verbunden sind. Und die Liebe zu unseren Mitmenschen, das ist eine Triebfeder, die unsere Welt wahrlich verändern kann. Ich meine das Abendmahl kann dazu eine Inspiration sein. Einander beizustehen, wenn es einem von uns schlecht geht.

Das wird natürlich nicht alle Probleme der Welt schlagartig lösen. Der Klimawandel bleibt bedrohlich. Krieg und Terror schwelen weiter auf unserer Welt. Aber wenn wir eine Gemeinschaft bilden, in der wir auf einander achten, hilfsbereit sind und auch einander Fehler verzeihen, dann wächst da bereits ein kleines Pflänzchen. Ein Pflänzchen, das uns einen Vorgeschmack gibt, wie es ist im Himmelreich, mit Christus zu leben. Genau so verkünden wir Christus, wie es im Predigttext steht.

Das Abendmahl will Nähe herstellen. Nähe zwischen den Menschen untereinander und Nähe zwischen Gott und uns Menschen. Das Abendmahl schafft auch aus dem Weg, was uns Menschen von Gott trennt. Hier wird uns Vergebung geschenkt, für all die Dinge, die uns belasten, für die wir uns vielleicht auch selbst schämen. Trotz der düsteren Seite, des Gründonnerstags als Vorbote des Karfreitags, steckt also auch eine große Freude in diesem Tag. In diesem Abend ist Ostern schon angelegt. Denn es ist das Versprechen angelegt, dass Christus bei uns bleibt. Dass er uns nicht alleine lässt, gerade auch in den schweren Zeiten. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Ja das wollen wir tun. Denn er kommt heute noch zu uns. Und immer wieder neu kommt er. Denn eigentlich ist er längst da, und war immer da und bleibt da.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.