„Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.“ Jes 50,10

Liebe Leserinnen und Leser,

man merkt es jetzt wieder ganz deutlich. Die Tage werden kürzer und die Nächte werden länger. Das Wetter ist oft nasskalt und trüb. Wir Menschen bekommen die Sonne in der Herbst- und Winterzeit immer weniger zu sehen. Es wird dunkler und kälter. T-Shirts, kurze Hosen und Sandalen kommen in den Schrank, stattdessen sind wieder dicke Jacken, Schals und Stiefel angesagt. Und das schlägt sich auch auf´s Gemüt. Wenn man morgens die Rollläden hochzieht und sieht einen tiefgrauen Himmel, will man am liebsten gleich wieder ins Bett. Noch schlimmer ist es, wenn man noch bei völliger Dunkelheit aufsteht. Es ist kein Zufall, dass im Herbst und Winter Depressionen zunehmen. Wir Menschen brauchen das Licht. Wo Licht ist, da ist Hoffnung, Fröhlichkeit, Leben. Wo Dunkelheit ist, da ist Angst, Schwermut, Tod.

Unser Monatsspruch für Dezember erinnert uns an genau diese Vorstellung. Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott (Jes 50,10). In vielen Bibelworten ist die Finsternis oder die Dunkelheit ein Symbol für das Verderben und den Tod. Das Licht dagegen ist Symbol von Gottes Herrlichkeit und des Lebens. Jetzt im Herbst kommt auch das Ende des Kirchenjahres, es kommt der Ewigkeitssonntag. Hinein in die dunkler werdende Welt gedenken wir unserer Verstorbenen. Wir werden an die buchstäblichen finsteren Zeiten des Lebens erinnert.

Wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. Denn wenn die Nacht am dunkelsten ist, dann scheint uns das Licht Gottes. Im Dezember beginnt ein neues Kirchenjahr, es kommt die Adventszeit. Es ist kein Zufall, dass wir Christen gerade dann Weihnachten feiern, wenn wir Gottes Licht am allermeisten brauchen. In der Finsternis kommt das Licht Christi zu uns. Und dieses schenkt uns Hoffnung und gibt uns Mut und Kraft, die dunklen Zeiten zu überstehen. Das Feuer einer brennenden Kerze gibt uns davon einen Vorgeschmack, es ist ein Vorbote der hellen und fröhlichen Zeiten, die uns bevorstehen.

Und im Lichte dieser Verheißung können wir die dunkle Jahreszeit auch geradezu genießen. Denn im Herbst und Winter können wir es uns auch richtig gemütlich machen. Wenn wir uns im Kreis unserer Lieben zusammensetzen oder alleine mit einem guten Buch. In Decken gehüllt bei Kerzenschein oder an einem knisternden Kaminfeuer. Im warmen Kerzenlicht betrachtet, kann die dunkle Jahreszeit auch sehr schön sein. Sie kann Kraft und Erholung geben. In diesem Licht können wir ganz gelassen und beruhigt auf den Herbst und Winter blicken. Denn das Licht Gottes erstrahlt uns jetzt und immer, ganz egal zu welcher Jahreszeit. Darauf dürfen wir uns verlassen.

Ihr Pfarrer Oliver Schmidt