Grüße und Segenswunsch

Zuletzt, Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Gemeinde,

„es ist kompliziert“...so jedenfalls lautet ein sogenannter „Beziehungsstatus“, den man bei Facebook, dem großen Internet-Netzwerk, für sich angeben kann. Für alle, die jetzt nicht wissen wovon ich rede, weil sie mit Facebook nie etwas zu tun hatten. Das ist ja eine Internetseite, auf der sich jeder selbst darstellen kann und Bilder und Texte und alles mögliche über sich selbst einstellen kann. Und unter anderem kann ich bei Facebook eben auch angeben, ob ich in einer Beziehung lebe. Da kann ich dann angeben, verheiratet, ledig, verwitwet, vergeben und eben auch… „es ist kompliziert“.

Ja, und menschliche Beziehungen, die können auch wirklich manchmal kompliziert sein. Oft steht man dann da und weiß nicht was Sache ist: Ja will sie denn nun auch? Oder nicht? Und wenn ja, was will sie? Strebt sie eine Ehe an.

Oder will sie nur jemanden für eine kurze Zeit?

Frage über Fragen sind das. Wahrscheinlich hat fast jeder im Leben sich schon mal solche Fragen stellen müssen. Der eine mehr, die andere weniger, aber sie werden sicher zustimmen. Menschliche Beziehungen, die Liebe, aber auch Freundschaften, können manchmal furchtbar kompliziert sein.

Warum erzähle ich ihnen das jetzt alles? Nun, heute am Sonntag Trinitatis geht es auch um Beziehungen. Genauer gesagt um eine ganz besondere Beziehung, nämlich der zwischen Mensch und Gott. Und wenn wir über diese sprechen, dann kommen wir an dem Thema des heutigen Sonntags nämlich nicht vorbei. Der Trinität, oder wie man auf deutsch sagt, der Dreieinigkeit Gottes. Und diese Trinität, das ist immer ein ganz heißes Eisen für uns Christen. Und viele Nichtchristen, Juden, Muslime oder auch Atheisten, finden nämlich gerade die Trinität besonders seltsam. Da wird dann manchmal behauptet, wir hätten drei Götter und nicht nur einen. Und dieser Vorwurf, der ist erst mal auch durchaus verständlich. Denn wir haben ja Vater, Sohn und Heiligen Geist. Und alle drei sind Gott. Und trotzdem behaupten wir Christen, wir hätten nur einen Gott. Sind also sogenannte Monotheisten. Ja unter diese Diskussion können wir auch schreiben „es ist kompliziert“.

1+1+1=1? Na jeder Mathematiker würde da das kalte Grausen bekommen, bei dieser Logik. Aber ich glaube, hier wird die Diskussion von der falschen Seite betrachtet. Um die Dreieinigkeit Gottes zumindest einigermaßen verstehen zu können müssen wir uns erst mal anschauen, wie wir Christen auf die Idee gekommen sind, dass Gott so sein könnte. Denn am Anfang der Trinität standen nicht die Theologen, die sich komplizierte Theorien ausgedacht haben. Am Anfang standen die Menschen. Die Menschen und ihre Erfahrungen mit Gott. Die Erfahrungen mit einem Gott, der von sich aus zu uns Menschen gekommen ist. Denn Gott ist es der eine Beziehung zu seinen Menschen aufgebaut hat. Und das hat Gott getan, indem er sich uns offenbart hat.

Und eben das hat Gott in genau dreierlei Arten getan. Er hat sich uns als unser liebender Schöpfer offenbart. Das nennen wir Gott-Vater. Wir werden als Menschen in diese Welt hineingeboren. Und alleine das ist eigentlich ein unglaubliches Wunder. Dass immer wieder neue Kinder geboren werden. Dass Leben immer wieder neu entsteht. Dass wir begleitet werden von Gott, vom ersten Schrei nach der Geburt bis zum letzten Atemzug. Und natürlich auch davor und danach. Dass Gott Ja sagt zum Leben und uns eine Welt überlassen hat, in der wir alles finden können was wir brauchen, um zu leben. In einer Welt, die so voller Reichtum ist, in der die Tiere und Pflanzen in gewaltiger Hülle und Fülle leben. Und ich glaube ich brauche Sie nicht daran erinnern, dass mit dieser Gabe der Schöpfung auch unsere Verantwortung verbunden ist, mit dieser Schöpfung gut umzugehen.

Zweitens hat sich Gott uns Menschen in der Gestalt des Jesus von Nazareth gezeigt. Jesus ist aufgetreten und hat Gottes Wort verkündigt. Er hat uns Verhaltensweisen gezeigt, die für uns Menschen bis heute grundlegend für unser Zusammenleben sind. Er hat uns mit seinen Wundertaten auch gezeigt, in welcher heilenden und Kraft spendenden Weise Gott in unser Leben einwirken kann. Aber das größte Wunder geschah am Ende des irdischen Leben Jesu. Nach seiner grausamen Hinrichtung am Kreuz schien alles vorbei, schien mit Jesus auch seine Botschaft gestorben zu sein. Doch dieser Jesus von Nazareth blieb nicht tot. Er besiegte den Tod. Er hat uns gezeigt, dass das Leben stärker ist. Und damit ist für uns Christen die größte Verheißung aller Zeiten verbunden. Das Versprechen, dass wir alle, die wir uns an diesen Jesus Christus halten, von Gott angenommen sind. Und dass wir bei Gott das ewige Leben haben.

Und zum Dritten kommt Gott als Heiliger Geist zu uns. Das zu verstehen ist vielleicht am Schwierigsten. Doch glauben Sie mir, der Heilige Geist ist die Wirkungsweise Gottes, die uns Menschen am Meisten berührt. Wo spürt man den Heiligen Geist? Ich meine zum Beispiel dort, wo eine Mutter ihr weinendes Kind in den Arm nimmt und tröstet. Dort wo ein junger Mann seiner älteren Nachbarin die Einkaufstüten die Treppen hoch trägt, wenn er merkt, dass diese nicht mehr kann. Oder vielleicht auch dort, wo eine Schülerin zu dem Mädchen in der Klasse geht, das immer gemobbt wird und ganz alleine ist, und sagt: „Hey willst du mit mir spielen?“. Der Heilige Geist, er weht da, wo Liebe und Hoffnung zwischen uns Menschen aufscheint. Und dass gilt natürlich auch, in den Momenten, in denen Gott ganz besonders bei uns spürbar wird. Ich zum Beispiel, spüre ihn oft, wenn wir als Gemeinde zusammen ein Kirchenlied singen, wenn die Botschaft der Hoffnung und der Liebe aus zahlreichen Kehlen erklingt. Oft wird er spürbar im Gebet, oder an Orten und zu Zeiten an denen man es überhaupt nicht erwartet hat.

Der Heilige Geist ist es der den Glauben lebendig macht. Die Buchstaben der Bibel, die uns vom Vater und vom Sohn berichten, so wichtig sie sind, blieben tot ohne den Geist. Es blieben bloße Geschichten. So aber werden diese Geschichten in unseren Herzen lebendig. Wirken sich auf unser Leben aus. Verändern uns und unsere Handlungen. Und vor allem auch schenken sie uns Hoffnung. Im Predigttext heißt es: „Habt einerlei Sinn, haltet Frieden. So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.“ Diese Einheit unter uns ist genau das. Es ist die Liebe in unserer Gemeinschaft. Die Liebe und Hoffnung, die dadurch entstanden ist und immer wieder neu entsteht, dass Gott zu uns kommt. Und als Christen können wir gar nicht anders als uns unseren Gott als dreieinig zu denken. Denn genau so ist er ja zu uns gekommen und hat sich uns gezeigt. Als Vater, der uns das Leben geschenkt hat. Als Sohn der uns gezeigt hat, dass bei Gott das ewige Leben ist. Und als Heiliger Geist, der uns spüren lässt, welche Kraft die Botschaft Gottes hat und der uns die Liebe Gottes bringt, die uns mit ihm verbindet. Und uns auch miteinander verbindet.

In diesem Sinne lasst uns heute, am Sonntag Trinitatis, feiern, dass unser dreieiniger Gott zu uns gekommen ist und sich genau so vor uns offenbart hat. Lasst euch also zusprechen, was Paulus der Gemeinde in Korinth zugesprochen hat. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.