Lebendige Hoffnung

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Liebe Gemeinde,

was für ein Text wird uns da heute vorgelegt. Dieser Predigttext steht ganz am Anfang des 1. Petrusbriefes und er macht gleich deutlich, was seinen Lesern mitgegeben werden soll. Gott soll im höchsten Maße gelobt werden. Warum? Natürlich wegen der Auferstehung. Es ist vor allem die Botschaft von Ostern, die hier im Mittelpunkt steht. Die Auferstehung Christi. Und wer an diese glaubt, ja der wird die Seligkeit der Seele erlangen. Dieser Text ist geradezu überschwänglich. Man hat das Gefühl, der, der das geschrieben hat, der brennt so richtig für diese Sache. Der ist so richtig begeistert. Und der will auch, dass andere von dieser Begeisterung angesteckt werden.

Ja so eine Begeisterung ist auch eine starke Sache. Wann waren Sie eigentlich zum letzten Mal so richtig begeistert. Vielleicht war es ja im Fußballstadion, als die Lieblingsmannschaft in der letzten Minute das Siegtor geschossen hat. Da hat man nicht mehr mit gerechnet, war vielleicht schon enttäuscht. Und man hat sich mit dem Unentschieden abgefunden. Und dann das! Doch noch ein Sieg. Was für eine Freude! Oder war es vielleicht ein Film? Der neue Streifen mit meiner Lieblingsschauspielerin. Neugierig geht man ins Kino. Und dann wird man von einem super spannenden Streifen mitgerissen. So manche überraschende Wendung lässt alles immer wieder in neuem Licht erscheinen. Bis schließlich alles in einem großen Finale eine unerwartete Auflösung findet. Was für ein Film! Oder begeistern Sie sich vielleicht für Musik? Endlich kommt die Lieblingsband auf ihrer Tournee in die Nähe. Voller Vorfreude geht man in Konzerthalle und wartet gespannt bis es los geht. Und dann kommen Sie, die großen Hits, die Lieblingslieder. Und die Stimmung kocht. So dass die Band noch eine halbe Stunde Zugaben spielt. All die alten Klassiker, auf die man sich so gefreut hat.

Ja. Diese Dinge, und vielleicht auch noch so manches anderes, das ich jetzt nicht erwähnt habe, das kann bei so manchem große Begeisterung auslösen. Vielleicht haben Sie sich ja selbst wieder erkannt. Beim Autor unseres Predigttextes aber ist es kein Konzert, kein Fußballspiel und ganz gewiss kein Film, der seine Begeisterung auslöst. Nein es ist der Glaube. Der Glaube an die Auferstehung Christi. Die Botschaft von Ostern. Wollen wir doch einmal ehrlich sein. Löst heutzutage unser Glaube auch solche Emotionen aus? Schlägt unser Herz höher, wenn wir die Ostergeschichte hören? Bei manchen Menschen ist das vielleicht so, aber ich habe den Eindruck, und damit stehe ich gewiss nicht alleine, dass das bei den meisten Menschen in der heutigen Zeit nicht so ist.

Warum eigentlich nicht? Dabei ist doch gerade die Botschaft von der Auferstehung die spannendste Wendung in einer Geschichte, die es geben kann. Da kann sich doch auch ein Hollywoodstreifen eine Scheibe von abschneiden. Und erst letzte Woche haben wir es doch ausgiebig gefeiert. Das Osterfest. Der Tod hat seinen Schrecken verloren. Halleluja. Da müsste man ja eigentlich mit wehenden Fahnen durch die Straßen ziehen. Doch irgendwie passiert das dann doch nicht. Ein bisschen liegt es vielleicht daran, dass die meisten von uns mit der Botschaft des Christentums schon aufgewachsen sind. Wir kennen dieses Versprechen vom ewigen Leben bei Gott schon lange. Und was man schon lange kennt, daran hat man sich auch gewöhnt. Das löst dann keine Begeisterung mehr aus, eher ein vertrautes wohliges Gefühl. Und das ist ja sicher auch nicht schlecht.

Aber ich meine es gibt noch einen anderen Grund, der die Freude etwas dämpft. Im Predigttext wird es auch angesprochen: die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen. Ich finde hier wird einer der wichtigsten Punkte, der die Begeisterung für den Glauben dämpfen kann, fast ein bisschen verharmlost. Dieses traurig sein in mancherlei Anfechtungen. In einem Gespräch über Gott hat mir mal eine Bekannte den Satz gesagt: „Ich kann nicht an Gott glauben. Dafür hat er mir schon zu viele Menschen, die mir wichtig waren, weg genommen!“ Eine Aussage, die man sehr ernst nehmen muss, die man nicht so einfach wegbügeln kann. Wenn man hier nicht aufpasst kann das Trösten schnell zum Vertrösten verkommen.

Hier sind wir nun bei der Frage nach dem „einfach“ glauben können, von dem ich zu Beginn des Gottesdienstes gesprochen habe. Wir sind auch beim Jünger Thomas, von dem wir in der Evangeliumslesung gehört haben. Er war ein richtiger Skeptiker. Er konnte oder wollte auch nicht einfach glauben. Er musste es fühlen. Er wollte seine Finger in die Wunde legen. Und das ist es auch, das uns Christen heute, den Finger in die Wunde legt. Es ist die Frage welche Rolle der Zweifel im Glauben spielt. Ja spielen darf.

Thomas darf seine Finger in die Wunden legen und glaubt. Doch Christus sagt: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Aber ist das so einfach? Die Antwort ist klar. Nein, das ist es nicht. Manchmal wird man vom Zweifel einfach überwältigt. Sei es weil man an der Trauer um einen geliebten Menschen zerbricht. Oder sei es, dass der Verstand die wunderbare Osterbotschaft einfach nicht akzeptieren will. Anfechtungen nennt man diese Zweifel traditionell.

Es bleibt eine schwere Frage, doch muss man im Umgang mit diesen Anfechtungen letztlich eine andere Perspektive annehmen. Der Verstand kann den Glauben niemals erfassen, niemals analysieren und für richtig empfinden. Oder eben auch nicht. Sondern der Glaube ist wie ein Wagnis, ein sich Einlassen auf Gott. Ja vielleicht ein bisschen so wie eine Wette. „Ich setze mein Leben auf Gott!“ so könnte man sagen. Und da kann es sehr wohl auch hin und wieder Zweifel geben. Dazu gehört auch der Schmerz, den man so manches Mal empfindet, in den dunklen Stunden des Lebens. Doch wer Gott sucht, der kann ihn auch finden. Denn Gott will gefunden werden.

Schmerz und Zweifel sollten uns dabei nicht als Störenfriede erscheinen, sondern wir sollten sie ernst nehmen und akzeptieren. Ja wir können Schmerz und Zweifel sogar vor Gott bringen. Das Geschenk des Glaubens ist eine Gabe, die von Gott kommt. Aber wir müssen nicht glauben, dass ein echter Glaube einer wäre, der keine Zweifel und keinen Schmerz im Leben kennt. Im Gegenteil, ich meine wer solche Anfechtungen so gar nicht kennt, der hat sich vielleicht auch nicht wirklich mit seinem Glauben auseinander gesetzt. Glaube ist ein Weg, kein Zustand. Und ein Weg hat auch ein Ziel: In unserem Predigttext wird dieses Ziel auch genannt: Der Seelen Seligkeit, so heißt es dort fast poetisch.

Was ist das? Der Seelen Seligkeit. Gar nicht so einfach zu beantworten diese Frage. Aber ich meine, das ist das Gefühl, dass man sich von Gott wirklich begleitet fühlt. Dass Gott einem in den dunklen Seiten des Lebens beisteht. Dass er die Zweifel am Glauben ernst nimmt, aber doch nicht bei diesen stehen bleibt.

Sondern hindurch trägt und immer wieder neue Perspektiven des Lebens im Glauben eröffnet. Oder um es in einen einfachen und kurzen Satz zusammenzufassen: Dass ich merke, dass Gott für mich da ist. Das ist der Seelen Seligkeit.

Und wenn man darüber nachdenkt, so ist das doch irgendwie besser, als jedes Fußballspiel, jeder Film und jedes Konzert. Uns ist versprochen, dass Gott für uns da ist. Im ganzen Leben und auch darüber hinaus. Ein echter Grund begeistert zu sein.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.